Unser WRRL Experte im Interview

Wir haben mit Michael Bender, dem Koordinator der Bundeskontaktstelle Wasser der Grünen Liga, über den neuesten Rückschlag bei der Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie, Gründe des Algenwachstums und Engagamentmöglichkeiten für unsere Big Jumper gesprochen.
Am 17. Juli sind über 50 Jugendgruppen in ganz Deutschland in ihre Flüsse gesprungen. Insgesamt: ein echter Big Jump für Gewässerschutz! Genau einen Tag später wurde in Brüssel eine Entscheidung getroffen, die als Great Leap gegen Gewässerschutz in die EU Geschichte eingehen könnte. Was ist geschehen?
Die Agrarminister der EU haben gemeinsam beschlossen, die Direktzahlungen aus dem EU-Topf nicht an die Einhaltung der Gewässerschutzvorgaben aus der EG-Wasserrahmenrichtlinie zu koppeln. Da die Landwirtschaft insgesamt einer der größten Verursacher für die Nährstoffbelastung im Grundwasser und in den Seen und Flüssen ist, führt das dazu, dass hier wesentliche Fortschritte nicht erreicht werden, obwohl ja auch die Wasserrahmenrichtlinie geltendes Europäisches und deutsches Recht ist.
Den Great Leap verstärkt außerdem noch die Biomassenförderung. Kannst Du uns das erklären?
Mit dem Erneuerbare Energien Gesetz wird die Nutzung von Biomasse für die Energieerzeugung gefördert. Das ist an sich erstmal nicht schlecht. Allerdings sind die Einspeisevergütungen so hoch, dass sie die EU-Direktzahlungen für den Anbau von Lebensmitteln übersteigen. In der Folge nahm insbesondere der Anbau von Silomais zu. Silomais ist hinsichtlich des Nährstoffaustrags, der Erosion und der Biodiversität sehr kritisch. In einigen Regionen steigt die Gewässerverschmutzung wieder deutlich an.
Was ist die Konsequenz fürs Flussbaden? Wird das Wasser goldgelb und schmeckt nach Mais?
Seen und Flüsse werden trüber, das Algenwachstum nimmt zu und die Artenvielfalt ab. Auch an der Ostsee kommt es zu Algenmassenentwicklungen.

Was unternimmt die Grüne Liga?
Wir haben in Hamburg ein Seminar dazu veranstaltet, uns von Experten informieren lassen und mit Ihnen die Situation diskutiert. Die daraus abgeleiteten Thesen stimmten wir mit anderen Umweltverbänden ab und ließen sie deutschen EU-Parlamentsabgeordneten zukommen. Die Beratungen zur nächsten Agrarföderperiode dauern noch an, so dass hier noch die Möglichkeit besteht, weiter Einfluss zu nehmen.
Pack die Badehose ein! Wie können sich die Big Jump Challenge Teilnehmer engagieren?
Europa findet nicht nur in Brüssel und Straßburg statt. Die Europaparlamentarier haben in Ihren Wahlkreisen Büros und können direkt kontaktiert werden. Bei der Biomasse spielen die Abgeordneten des Bundestags die entscheidende Rolle, weil sie über das Erneuerbare Energien Gesetz entscheiden. Wenn diese Abgeordneten verstehen, dass saubere Flüsse und Seen den Big Jump Challenge Teilnehmern und der Öffentlichkeit insgesamt ein wichtiges Anliegen sind, kann das ihre Entscheidungen hinsichtlich der naturschonenderen Landwirtschafts- und Energiepolitik beeinflussen.
Also: Badehose einpacken und ins Wahlbüro fahren!